Alcalá la Real – in der Sierra Sur

Alcalá la Real war einst eine überaus wichtige Festungsstadt an der Grenze des maurischen Königreiches. Heute erinnert nur noch die große Festungsanlage an diese Zeit. Etwas abseits der großen Touristenzentren wird die Stadt gerne übersehen, bietet aber einem Besucher einen durchaus abwechslungsreichen Aufenthalt.

Vom Neandertaler bis Napoleon

Sie waren alle dort: die Neandertaler, die Iberer, die Römer und natürlich die Mauren, denen die Stadt ihre wirkliche Bedeutung verdankte. Zunächst als ein Teil einer großen Wachtturmkette, um die maurischen Gebiete vor einfallenden Normannen zu schützen, wuchs sie bald zu einer wichtigen Festungsstadt heran. Alfonso XI eroberte die Festung schließlich und gab ihr wegen ihrer wichtigen strategischen Bedeutung den Beinamen ‚Die Königliche‘, den sie bis heute trägt. König Juan II verlieh ihr dann fast einhundert Jahre später den Status einer Stadt. Nach dem Fall des Königreiches Granada, ein weiteres halbes Jahrhundert später, verlor die Stadt ihre wichtige Bedeutung. Einmal noch erhielt sie eine gewisse strategische Position, als die französischen Truppen Napoleons 1810 die Festung für zwei Jahre besetzten.

Schnee, Oliven und eine alte Festung

Dieses Mal wollte ich mein eigentliches Tourziel nicht über die Autobahn erreichen, was von meinem Startpunkt in Vélez-Málaga ein deutlicher Umweg gewesen wäre. Statt dessen entschied ich mich für die Route über Alhama de Granada und Montefrío. Im Nachhinein muss ich sagen, dass diese Entscheidung eine gute war, denn die Fahrt war landschaftlich wunderschön. Allerdings barg sie auch einige Überraschungen. Die erste ergab sich gleich nach der Durchfahrt durch die Puerta Natural in Ventas de Zafarraya. Zunächst schien alles noch normal, doch beim Eintritt in den sanften Buschwald wurde mir klar, eine hohe Reisegeschwindigkeit war nicht zu erreichen. Ich hatte nicht eingerechnet, dass sich ein Großteil der Strecke in einer Höhe von über eintausend Metern und mehr befand, und, der Jahreszeit durchaus entsprechend, die Straßen mit Raureif überzogen waren. So musste ich mit angepasster Geschwindigkeit der kurvigen Strecke folgen, wurde aber mit einer atemberaubenden Aussicht entschädigt.

Schon bei Alhama de Granada eröffnete sich der Blick auf die strahlend weiß verschneite Sierra Nevada, und diese Aussicht sollte mich eigentlich den ganzen Tag begleiten. Ein kleines Stück der Strecke war dann landschaftlich nicht so begeisternd, doch kurz nach der Überquerung der Autobahn von Sevilla nach Granada kletterte die Straße wieder hinauf in wundervolle Berge. Es wurde deutlich kälter und die Schneereste zwischen den Olivenbäumen waren ein ungewohnter Anblick. Und immer wieder der Blick auf die Sierra Nevada. Wenn sie nicht so herrlich in ihrer Schneepracht gestrahlt hätte, wäre der Anblick vielleicht gar nicht so aufgefallen, aber so war es einfach hinreißend.

Nach einigen Serpentinen und einer kurzen Kontrolle durch dieGuardia Civil kam ich zu einem weiteren Höhepunkt der Strecke, den ich über die großen und gut ausgebauten Verkehrswege nicht hätte sehen können: . Zunächst ging es noch durch eine kleine Schlucht, dann lag der Ort vor mir. Linker Hand ein großer Felsen, der sich schräg aufbaute, um dann jäh abzubrechen. Darauf eine kleine trotzige Kapelle. Unterhalb dieses Felsens lag friedlich der Ort, in dem sich rechter Hand eine optisch herausstechende Kirche befand, die aus einem Turm und einem quadratischen Schiff mit einer erstaunlich großen gemauerten Kuppel bestand.

Beim Stopp für das obligatorische Foto stellte ich fest, dass auch hier die Straße durch Raureif erstaunlich rutschig war. Mein angepasstes Tempo war also durchaus gerechtfertigt, hatte aber zur Folge, dass mein Zeitplan etwas ins Wanken geriet. Daher blieb ich bei meinem Vorhaben, diesen Ort nur zu umfahren. Doch selbst das war sehenswert, denn unterhalb des Felsens hatte ein kleiner Fluss eine beeindruckende Schlucht herausgespült.

Nach Montefrío begann ein Teil Andalusiens, der kaum noch typischer sein kann. Olivenhaine ohne Ende, nur unterbrochen von einigen zur Zeit kahlen Getreidefeldern. Während meiner Durchfahrt wurde an vielen Stellen gerade eine Ernte schwarzer Oliven eingeholt. Überhaupt war die ganze Strecke sehr ursprünglich. Es hat sich unbedingt gelohnt, über die kleine Landstraße zu fahren, auch wenn diese an manchen Stellen einen ebenso ursprünglichen Straßenbelag hatte.

Nach einiger Zeit erblickte ich in der Ferne die Fortaleza de la Mota, die Festungsanlage von Alcalá la Real. Bald war ich dort angelangt und steuerte als erstes die Festung selber an. Da sich die Fahrt bisher doch länger hingezogen hatte als geplant, war sie leider schon geschlossen. Eine Angestellte der Anlage, die ich zufällig traf, teilte mir allerdings mit, dass sie am frühen Nachmittag um halb Vier wieder geöffnet werde. Also machte ich mich erst einmal auf, um die Stadt selber zu besichtigen.

Die Stadt war nicht sonderlich groß, auch die Anzahl der Sehenswürdigkeiten war überschaubar, aber trotzdem hatte sie eine angenehme Atmosphäre. Da sie abseits der üblichen Touristenströme lag, waren eigentlich keine fremden Besucher anwesend. Dazu war gerade Siesta, sodass ich beinahe alleine durch die stillen Gassen schlenderte und die einzelnen historischen Gebäude bewunderte. Das begann mit demConvento de Capuchinos, welches direkt am Paseo de Los Álamos lag, der großen Grünanlage im Zentrum der Stadt. Vorbei ging es dann an der Iglesia de San Antón weiter entlang der Hauptstraße, in welcher sich der Palacio Abacial aus dem Jahre 1781 mit dem Archäologischen Museum befand. Ich folgte der Straße bis zur Iglesia de Consolación am Paseíllo de la Mora.

Von dort schlenderte ich noch kreuz und quer durch die Altstadt, in der noch einige historische Gebäude erhalten waren, erwähnenswert das Ayuntamiento und die Casas de Enfrente, sowie die Iglesia de Las Angustias. Interessant auch stets wieder der Blick in die Querstraßen, welche irgendwie immer auf der Festung landeten. Inzwischen war die Zeit fortgeschritten, und ich fuhr wieder in Richtung dieser über Allem thronenden Wehranlage.

Inzwischen war der Eingang zur Fortaleza de la Mota geöffnet; ich besorgte mir eine Eintrittskarte und begann mit dem Rundgang durch die weitläufige Anlage. Eigentlich standen nur noch zwei Gebäude auf der Anlage, zum einen die Iglesia Mayor Abacial, die ich am Ende besichtigen wollte, sowie der große Turm, in dem sich eine kleine archäologische Ausstellung befand. Doch um dorthin zu kommen, musste ich durch ein Wirrwarr von Mäuerchen laufen, alte Grundmauern der ursprünglichen maurischen Stadt innerhalb der Festungsanlage. Aber ich muss sagen, es war diesmal gar nicht so uninteressant, denn es verdeutlichte, dass diese Anlagen früher sehr belebt gewesen sein müssen. Es war kein einsamer Palast irgend eines Kalifen, sondern eine ganze Stadt, die sich hier oben befunden haben muss. Und ein Ende der Ausgrabungen ist noch nicht abzusehen.

Im Turm erwarteten mich ausgesprochen ansprechend gestaltete multimediale Installationen, die einen Einblick in die Geschichte der Festung gaben. Von dort ging es schließlich in die ehemalige Kirche, in der ich noch eine Filmvorführung bewundern durfte. Und all das ganz alleine. Keine anderen Gäste weit und breit, ein Privileg der Jahreszeit, in der ich diese Stadt besuchte. Nach der Vorstellung und etwas durchgefroren verließ ich das alte Gemäuer und ging in aller Ruhe zum Ausgang des Geländes. Und zwischendrin auch von hier aus immer wieder der Blick auf die verschneite Sierra Nevada. Ich habe mich gefragt, ob der Anblick im Sommer wohl genauso beeindruckend wäre, oder ob die Bergkette in der Ferne einfach im restlichen Panorama verschwinden würde.

Der Aufenthalt in der Fortaleza de la Mota hat doch länger gedauert als ich gedacht hatte, und daher machte ich mich jetzt wieder direkt auf den Heimweg, zurück durch die wundervollen Olivenplantagen, vorbei am beeindruckenden Montefrío, immer in Richtung Süden. Gerade als ich über eine Bergkette gefahren kam und in der Ferne wieder die Sierra Nevada erblickte, glühte diese im Abendrot auf. Ein unglaublicher Anblick. Alleine für diese Blicke auf dieses grandios verschneite Gebirge hat sich der ganze Ausflug gelohnt. So genoss ich den letzten Anblick und versuchte danach so zügig wie möglich über die einsame Landstraße nach Hause zu kommen. Und wieder geriet ich in eine Verkehrskontrolle, diesmal kurz vor Zafarraya. Aber was soll’s, die taten auch nur ihre Pflicht.

Resümee

Es ist immer wieder erstaunlich, dass es hier in Andalusien keinen kleineren oder größeren Ort gibt, der nicht irgendwie etwas Historisches zu bieten hat. Irgend eine alte Festung gibt es doch meistens, aber oft ist nicht sehr viel erhalten. Inzwischen haben viele Gemeinden bemerkt, dass es sich lohnt, die alten Gemäuer zu renovieren, soweit dies möglich ist, sie danach noch etwas multimedial aufzupeppen, und schon ist ein weiteres interessantes Reiseziel auf der Landkarte vorhanden. Die kleineren Ziele hier im Land haben aber vor allem den Vorteil, dass sie eben noch nicht so überlaufen sind. Hier ist noch pures Andalusien zu finden, nicht nur auf dem Lande, sondern auch in den kleineren Städten. Landschaftlich war die Jahreszeit ausgesprochen günstig, denn es war auf der einen Seite schon grün, auf der anderen Seite bot die verschneite Sierra Nevada eine unbeschreibliche Kulisse. Im Sommer geht dieses Gebirge in der Ferne meist unter. Aber so leuchtete es noch über viele Kilometer hinweg.

Informationen

Oficinas Municipales de Información Turística
Tel.: 953 58 20 77 & 639 64 77 96
E-Mail: turismo@alcalalareal.es
Web: http://www.alcalalareal.es/

QAL’AT Servicios Turísticos
Tel.: 606 92 96 05 & 639 64 77 96
E-Mail: info@alcalaturistica.es
Web: http://www.alcalaturistica.es/

Fortaleza de la Mota
Öffnungszeiten:
Sommer (Juni bis September): 10:30 – 13:30 Uhr und 17:00 – 20:00 Uhr
Winter (Oktober bis Mai): 10:30 – 13:30 Uhr und 15:30 – 18:30 Uhr
Eintritt: 5 €, Ermäßigt (Schüler, Rentner etc.) 3,50 €

Archäologisches Museum im Palacio Abacial
Öffnungszeiten:
Samstags, Sonn- und Feiertags: 10:30 – 13:30 Uhr
Montags bis Freitags: (Sommer) 17:30 – 20:30 Uhr, (Winter) 16:30 – 19:30 Uhr
Eintritt: 1,50 €, Ermäßigt (Schüler, Rentner etc.) 1€

(Alle Angaben ohne Gewähr)

Alle Reiseberichte aus Jaén & Provinz: