Jeden Winter ist es dasselbe, kaum fängt es endlich an zu regnen, dann aber bitte auch so kräftig, dass alles unter Wasser steht. Den feinen Nieselregen oder tagelangen Dauerregen wie in Deutschland kennt man hier kaum. Entweder es regnet, oder eben nicht. Aber wenn es regnet, dann oft in sintflutartigen Ausmaß. 50, 100 oder mehr Liter pro Quadratmeter sind dann keine Seltenheit. Aber die Region ist darauf eingestellt. Die so genannten Rios Secos sind überlebenswichtig und werden auch entsprechend gepflegt. Durch sie können sich die Fluten ohne größeren Schaden anzurichten ins Meer ergießen.
Doch in den Städten und Dörfern sieht es nicht immer so gut aus. Die Straßen verwandeln sich in Flüsse, die Kanalisationen, soweit vorhanden, sind scheinbar hoffnungslos überfordert und es sieht katastrophal aus, doch kaum hört es wieder auf zu regnen dauert es keine halbe Stunde und der Spuk ist wieder vorbei.
Anders aber im Campo, dass heißt auf dem Lande. Hier sind die Wege oft selber der Rio Seco und werden plötzlich unpassierbar. Es reicht sogar, wenn ein solcher Weg die Straße kreuzt. Da passen oft sogar die Bauern, die doch in der Regel mit Geländewagen unterwegs sind. Das Problem ist, man weiß nie genau, wie es unter der reißenden Wasseroberfläche aussieht. Ist die Straße noch da, oder wurde schon ein tiefer Graben ausgespült? Und selbst wenn es nicht so stark regnet, ist es nur noch für geländetaugliche Fahrzeuge möglich, die Feldwege zu benutzen, denn nasser Lehm ist glitschiger als Schnee.
Sieht man das alles nicht so düster, hat es auch seine interessanten Seiten. Es tun sich richtige kleine Abenteuer auf. Wer ist es in Deutschland schon noch gewohnt, sein Ziel nur mittels Durchquerung eines Flusses zu erreichen? Hier in Südspanien ein alljährliches Erlebnis. Oder unterspülte Straßen und abgerutschte Hänge, immer die Frage bei einem starken Regen: Kann ich heute noch dort hin fahren, wohin es gestern noch kein Problem war?