Nachtarbeit

Digitale Fotografie – Teil 7

Sie kennen vielleicht die Situation, es ist Nacht, Sie sitzen in einem gemütlichen Straßencafé und die Atmosphäre ist begeisternd. Jetzt ein stimmungsvolles Foto und Sie könnten den Moment wunderbar einfangen. Doch wieder einmal stößt man an die Grenzen einer einfachen Digitalkamera, denn meist kann nur bei den teureren Modellen der ISO-Wert, das heißt die Empfindlichkeit der Kamera, heraufgesetzt werden. So bleibt nichts anderes übrig, als das Blitzlicht zu verwenden, das hoffnungslos zu schwach ist und der Stimmung sowieso nicht gerecht wird, oder die Langzeitbelichtung, aber dann ist das Bild meist verwackelt. Übrigens ist auch bei einer höher eingestellten Empfindlichkeit das Ergebnis nicht immer erfreulich, denn in diesen Fällen erhöht sich in der Regel auch das Bildrauschen erheblich.

Die beste Lösung ist in den meisten Fällen tatsächlich die Langzeitbelichtung, allerdings nur in Verbindung mit einer fixierten Kamera. Hier sind nun viele Möglichkeiten gegeben. Alleine bei den Stativen gibt es die verschiedensten Formen. Zum einen das klassische Dreibein-Stativ, die ideale Lösung, wenn gezielt Nachtaufnahmen gemacht werden sollen. Es bietet die Möglichkeit, die Kamera in vielen verschiedenen Blickwinkeln zu fixieren und ist damit die flexibelste Lösung. Darüber hinaus gibt dieses Stativ auch die Chance, mehrere identische Aufnahmen des gleichen Motivs zu machen, die hinterher am Computer zu überraschenden Ergebnissen kombiniert werden können. Desweiteren gibt es kleine, handliche Mini-Stative, die hervorragend für den ungeplanten Einsatz geeignet sind, genauso wie das Einbein-Stativ, dass sich in der Regel auch sehr klein zusammenschieben lässt. Schließlich gibt es natürlich noch die Notlösung, die Kamera einfach irgendwo hinzustellen. Gerade in der eingangs erwähnten Situation im Café ist das kein Problem, denn meistens sitzt man ja an einem Tisch. Doch selbst auf der Straße kann dies durch die dadurch entstehenden ungewöhnlichen Perspektiven oft sehr effektvoll sein.

Ein weiteres Problem bei Nachtaufnahmen mit einfacheren Digitalkameras ist der Autofocus, der bei der Dunkelheit nicht scharfstellen kann. Wie mittlerweile gewohnt, muss wieder einfach probiert werden, sowohl wie der Autofocus benutzt werden kann, als auch inwieweit die Empfindlichkeit der Kamera ausreicht, die manchmal durch Über- bzw. Unterbelichten noch korrigiert werden kann. Mit meiner Kamera habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die besten Ergebnisse erzielen lassen, indem ich sie direkt auf eine der Straßenlaternen richte. Dadurch findet der Autofocus ein Ziel, gleichzeitig wird der Weißabgleich auf das Kunstlicht eingerichtet und die Belichtungszeit richtig eingestellt. Die Ergebnisse sind sehenswert und die Farben stimmungsvoll. Ein schöner Effekt der Langzeitbelichtung ist außerdem, dass bewegte Objekte, wie Autos oder Fußgänger, verwischt sichtbar sind. Da dieser Effekt auch sehr störend sein kann, sollten im Zweifelsfall mehrere Aufnahmen gemacht werden, um hinterher das schönste Ergebnis auswählen zu können.

Dank der Möglichkeit der Langzeitbelichtung, die, im Gegensatz zu vielen einfacheren Kleinbildkameras, bei Digitalkameras zum Standard gehört, können wundervolle Nachtaufnahmen realisiert werden. Besonders auf dem Bildschirm sehen die Aufnahmen stimmungsvoll aus, da hier die Lichter richtiggehend leuchten, ähnlich wie es bei Diavorführungen der Fall ist. Eine weitere Möglichkeit ist noch, die Aufnahmen auch nachträglich in interessante Schwarz-Weiß-Fotos zu verwandeln, womit selbst farblich missratene Bilder noch gerettet werden können. Es eröffnet sich wiederum ein weites Feld für experimentierfreudige und engagierte Fotofreunde.

Alle Folgen dieser Serie:

als eBook