Fundsache

Es war mal wieder soweit: Im Mai lag ein kleines Häufchen Elend am Straßenrand und konnte dort einfach nicht liegen gelassen werden. So kam meine Frau am Abend zurück und hatte eine Handvoll Katze dabei, zerzaust, halb verhungert und irgendetwas stimmte mit einem Hinterlauf nicht. Also erst einmal etwas zu fressen geben, was nicht einfach war, denn aus dem Napf ging es noch nicht, dort hat er die Milch immer nur eingeatmet und sofort wieder heraus geprustet. Wir hatten noch eine kleine Spritze, mit der haben wir ihm dann etwas verdünnte Milch eingeflößt. Die Rettung war geglückt, er überlebte die Nacht, doch irgendetwas musste geschehen. Also am nächsten Tag erst einmal zum Tierarzt. Der stellte fest, dass der rechte Hinterlauf gebrochen war. Das war auch gut zu erkennen, man musste das kleine Tierchen nur mal ein bisschen hin und her wackeln, und schon baumelte das eine Beinchen herum. Was hatte das zur Folge? Das Tierchen sollte sich möglichst nicht bewegen. Das war ihm aber schwer klar zu machen, da er überhaupt keine Schmerzen zu haben schien. Also ab in den Wäschekorb und als er dort trotz Handycap herauskam, in die Katzenkiste. Das zweite Problem war die Nahrung. Kuhmilch ist ja eigentlich nicht so gut, es musste Babymilch für Katzen her. Das war auch nicht einfach, denn die war überall ausverkauft. Zum Glück gibt es in Torre del Mar nicht nur ein Tiergeschäft und so wurden wir letztendlich fündig. Ein kleines Fläschchen gab es auch noch dazu. So setzten wir uns guten Mutes und gut gerüstet mit unserem Zögling hin und wollten ihn endlich ordentlich füttern. Der Kleine schien aber von der merkwürdigen Gummizitze nichts zu halten und ehe meine Frau etwas dagegen tun konnte, hatte er sie kurzerhand abgebissen und heruntergeschluckt. Also musste wieder die bewährte Spritze herhalten. Eigentlich sind mir alle die Vierbeiner in Haus und Hof schon lange viel zu viele, deshalb schonte mich meine Frau mit der Nachtfütterung, hatte aber auch bald selbst keine Lust mehr dazu. Hier bewährte sich unsere Hundedame als hervorragender Babysitter. Der einzige Nachteil war, dass das Katerchen am nächsten Morgen ob der herzerweichenden Pflege immer klatschnass war.

Inzwischen ist er ein frecher kleiner Rabauke, von dem gebrochenen Beinchen ist überhaupt nichts mehr zu sehen, im Gegenteil, er ist so frech, dass keine der Katzen mehr mit ihm spielen will, nur der Hund, aber der ist ihm wiederum doch etwas zu groß und wild. Angst hat er aber keine, ist auch nicht nötig – ich glaube, der Hund spielt sanfter mit dem Kleinen, als irgendeiner seiner Artgenossen. Auch sonst hält er uns jeden Morgen beim Frühstück auf Trab, immer ‚rauf auf den Schoß meiner Frau und hoch an den Hals, einmal kurz ‚reinbeißen, am Ohr knabbern und dann laut schnurrend die Aussicht genießen. Bisher sind wir ja alle Zöglinge irgendwie wieder los geworden, aber bei diesem wollen wir einfach wissen, wir er sein wird, wenn er erstmal ausgewachsen ist. Der anfängliche ängstliche Blick aus den großen grünen Kulleraugen ist inzwischen frech und aufmerksam geworden. Er wird bestimmt ein kleiner, aber stattlicher Mini-Puma werden, so einer hat uns in unserem Hause gerade noch gefehlt.

Ach, übrigens, inzwischen haben unsere geflügelten Untermieter den nächsten Schwung großgezogen, mal sehen, wie viele Schwälbchen da noch nachkommen.